Stellungnahme zur Besetzung des Klybeckareals durch ZACK sowie zur Räumung der Besetzung am 01. Juli 2026

Die PdAS Sektion Basel solidarisiert sich mit dem Kollektiv ZACK, das eines der grössten Arealbesetzungen der letzten Jahrzehnte organisierte. Trotz der Räumung durch die Basler Polizei werten wir dies als Achtungserfolg und Signal an Behörden und Politik, dass der Widerstand gegen profitorientierte Stadtentwicklung von unten kommen wird.

Am Mittwoch, 1. Juli 2026 begann die Polizei um 4 Uhr morgens die Räumung der Teile des Klybeckareals, die das Kollektiv ZACK besetzt hatte. Seit dem 30. Mai 2026 besetzten ZACK die leerstehenden Gebäude K102, K104 und K106 im nördlichen Teil des Klybeck-Areals. Während eines Monats konnte das Kollektiv einen Kulturort und Freiraum schaffen mit Partys, Konzerten, Vorträgen usw. Gemäss Zeitungsberichten hätten über 1000 Menschen an den Veranstaltungen im ZACK teilgenommen bzw. die Schaffung eines Freiraumes mitgestaltet. Auch die bürgerliche Presse zeigte sich über diese Anziehungskraft beeindruckt:So berichtet die bz im Gespräch mit den Aktivist*innen von der Diversität der Menschen, die sich in der Bespielung der besetzten Räume eingebracht hätten, und von der raschen Vernetzung, die das Kollektiv mit der unmittelbaren Nachbar*innenschaft erreicht hätte. Damit wird deutlich, dass die Besetzung von ZACK von der breiten Bevölkerung mitgetragen und gutgeheissen wird.

Hausbesetzungen sind in westlichen Städten seit den 1960er Jahren eine Strategie, sich durch zivilen Ungehorsam gegen eine renditeorientierte und undemokratische Stadtplanung sowie steigende Mieten und Abrisswellen zur Wehr zu setzen. Berühmte Besetzungen in Basel sind zum Beispiel die Alte Stadtgärtnerei, die Villa Rosenau oder Elsi.

Der Umgang der Behörden mit Besetzungen verlief wechselhaft. So sind die 1980er Jahre von massiver Polizeigewalt gegenüber den Menschen, die Eigentum an städtischen Immobilien infragestellen, geprägt. Zugleich hat sich in einigen Städten mit der Zeit eine relative Toleranz gegenüber bestimmten Besetzungen eingestellt. Manche wurden gar normalisiert und mit Duldungen oder regelrechten Mietverträgen als Kulturzentren institutionalisiert (z.B. Kochareal in Zürich (bis 2023), Reitschule Bern, Kulturzentrum in Bremgarten etc.). Im Allgemeinen aber hat die Schweizer Politik Gesetze gegen Hausbesetzungen je länger, je mehr verschärft und die Stellung von Grundstücksbesitzenden und damit die kapitalistische Eigentumslogik gestärkt. Zugleich findet eine flächendeckende Ökonomisierung und repressive staatliche Überwachung des öffentlichen Raumes statt. Als “randständig” erachtete Leute werden in die städtischen Peripherien vertrieben. Defensive architektonische Massnahmen, sprich: Raumgestaltungen, die die Nutzung durch z.B. Obdachlose verhindern, werden umgesetzt. Plätze und Neubauten werden nirgends so geplant und gebaut, dass sie für die Bedingungen unter dem Klimawandel ein für die breite Bevölkerung angenehme und gesundheitsfördernde Atmosphäre schaffen. Was Besetzungen anbelangt, werden bestehende weitgehend abgebrochen und neue im Keim erstickt. Der Bedarf an nichtkommerziellen Freiräumen und lebenswerten öffentlichen Plätzen drängt aber. Besonders während der akuten Pandemie zeigte sich, dass gerade junge Menschen kaum öffentliche und nicht-kommerzielle Orte haben, um sich aufzuhalten, sich selbst zu erfahren und im besten Fall ein politisches Bewusstsein zu entwickeln. Stadtbehörden nutzen die janusköpfige Massnahme der “Zwischennutzungen”, um die Aneignung von Stadträumen von unten von Vornherein zu vereiteln und jegliche Freifläche oder Leerstand in die Stadtplanung “von oben” einzuspeisen.

Hausbesetzungen haben neben ihrem praktischen Nutzen auch eine relevante symbolische Funktion. ZACK beispielsweise machen auf die missgeleitete Politik im Entwicklungsareal Klybeck Plus aufmerksam, wo eigentlich grosse Flächen für dringend benötigten sozialen Wohnungsbau erschlossen werden sollen, aber weder die ansässige Bevölkerung hinreichend in die Planung und Gestaltung eingebunden noch eine Wohnraumplanung betrieben wird, die im Geringsten als sozial bezeichnet werden kann. Statt die bestehenden Gebäude ökologisch sinnvoll zu sanieren und umzubauen, wird ein grosser Teil abgerissen und neue Hochhäuser aufgezogen, in die kleine und teure Wohnungen für Gutverdienende gebaut statt grosse familien- und WG-freundliche Wohnkonzepte umgesetzt werden. Ferner ist der Umgang mit den Chemiealtlasten im Areal seitens der Basler Behörden skandalös und gefährdet die Bevölkerung.

Die PdAS Sektion Basel solidarisiert sich mit dem Kollektiv ZACK und gratuliert zum Achtungserfolg, den die immerhin einmonatige Besetzung in Zeiten der neoliberalen Durchökonomisierung und der repressiven staatlichen Überwachung des öffentlichen Raumes darstellt. Diese Erfahrung zeigt, dass es in der Basler Politik einen tiefgreifenden Kurswechsel in Bezug auf Besetzungen, aber insbesondere in Bezug auf die verfehlte Stadtplanung mit Blick auf Entwicklungsareale wie im Klybeck Plus braucht.

Es braucht wirksame Strategien im Umgang mit Räumungen, Polizeigewalt und Verhandlungen mit Stadt und Eigentümer*innen. Diese Herausforderungen können nur mit einem klugen Vorgehen, aber vor allem mit einer kritischen Masse an sich solidarisierenden Personen bewältigt werden. In diesem Sinne danken wir dem Mut und der Standhaftigkeit der Aktivist*innen von ZACK und ihrer Unterstützer*innen in ihrem Kampf für eine Stadt für alle.