Zur Ernährungsinitative: Ein Gespenst geht um in der Schweiz, das Gespenst der pflanzlichen Ernährung …

Eine Stellungnahme

Die Plakate mit Cervelat, Fondue und Spiegelei suggerieren ihren Darstellungen folgend ,was einem wohl alles abhanden kommen wird, wenn dieser (äusserst beängstigende) «Vegan-Zwang» angenommen wird. Hier dagegen ein plädoyer für die Initiative und das nutzen der eigenen Hirnmasse.

Die Initiative verlangt, dass die Schweiz 70% der benötigten Lebensmittel selbst herstellen, bzw. diesen Zustand anstreben soll.  Die Sicherstellung der Sauberkeit von Trinkwasser sowie der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und der Biodiversität Dies alles würde bei Annahme der Initative in der Verfassung verankert.

Um den von der Initiative festgelegten Anteil an Eigenproduktion zu erfüllen, soll der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel (gefährliche Salate und so) mit Subventionen und anderen staatlichen Anreizen gefördert werden – staatlich geförderter «Vegan-Zwang» also. Veganer*innen, das sind diese komischen Menschen, die bedrohlich vor den Schlachthöfen warten und gefährlicherweise den kurz vor der Hinrichtung stehenden Tieren etwas zu trinken einflössen. Dieses Verhalten würde mit der Subventionierung pflanzlicher Lebensmittel nicht nur toleriert, sondern erhielte staatliche Rückendeckung!

Kein Wunder also, ist es von Beginn an der Lancierung nötig gewesen, von «ganz oben» diese Initative, die die Gesellschaft bedroht, zu bekämpfen: Bereits zwei Abstimmungsbeschwerden wurden vom Parlament und Bundesrat beim Bundesgericht eingereicht über angeblich irreführende Informationen der Initiant*innen. Fakt ist aber:

  • Die Schweiz versorgt sich nur mit 42% der Lebensmittel selbst
  • Auf 60% der Ackerflächen wird Futtermittel für Nutztiere angebaut
  • 75% der Agrarsubventionen gehen an Tierfabriken
  • Trinkwasser wird durch Kot von Tierfabriken, durch den Klimawandel und Pestizide bedroht
  • Nutztierhaltung schadet der Umwelt mehr als Verkehr, Haushalte und Industrie
  • Nutztierhaltung züchtet nicht nur Tiere, sondern auch antibiotikaresistente Keime, die als Teil von Gülle wiederum auf pflanzliche Lebensmittel und in Trinkwasser gelangenDie Initiative verbietet weder Fleisch noch Milch oder Eier
  • 1.3 Milionen Tonnen Futter für Nutztiere wird pro Jahr importiert, darunter auch Soja aus dem Amazonas, der dafür kahlgeschert wird
  • Schweizer*innen konsumieren insgesamt 3 x so viel Fleisch, wie es für eine gesunde Ernährung empfohlen ist

Diese Punkte sollten für alle absolut nicht nachhaltig, geradezu absurd klingen.

Was angesichts dieser Verhältnisse aber zudem irritiert, ist die unablässig wiederholte Behauptung, dass die Ernährung eine «völlig unbeeinflusste Entscheidung jeder einzelnen Person» sei: Da der Verkauf tierischer Produkte mit 38.8 Mio Fr. und der Verkauf pflanzlicher Lebensmittel mit nur 4.3 Mio Fr. subventioniert wird, stelle ich dies klar in Abrede.

Aufrgrund dieser geringen Subventionen in pflanzliche Lebensmitel werden 92% der pflanzlichen Proteine in die Schweiz importiert. Es wäre nämlich durchaus möglich, durch Umnutzung der Ackerflächen für den Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln das Zehnfache der derzeit durch gefolterte Tiere produzierte Kalorien für den Menschen erzeugen.

Für mich als Sozialist*in ist klar, dass sich die Schweiz in der jetzigen Weltlage vermehrt selbst versorgen können muss. In Zeiten von Krise, Krieg und Trump weiter darauf zu bestehen, einen derart grossen Anteil an Lebensmitteln zu importieren, ist Irrsinn, der sich letztlich nur auf Lobbyismus zurückführen lässt.

Ernährung zählt zu den Grundrechten eines jeden Menschen. Die Ernährungssicherheitsinitative ist ein Anfang, um diesem Grundrecht zu seiner Durchsetzung zu verhelfen. Die Abstimmungskampagne ist durchzogen von Fehlinformationen und dissonanzerhaltenden Botschaften, die dazu führen sollen,dass die Arbeiter*innenklasse weiterhin schön ihre eigenen Interessen bekämpft.

Wie so oft wird auch bei dieser Initiative behauptet, dass die Initiative “nicht umsetzbar” wäre. Dies zeigt letztlich nur wieder auf, dass nur wir uns selbst retten können: Umsetzbar heisst nämlich nur, dass es an Willen fehlt und die Klasse der Reichen sich nur um sich selbst kümmert.