Pride-Monat Juni: Nein zum Pinkwashing 

Im Juni ist Pride-Monat. Noch vor zwei Jahren waren zu dieser Zeit Regenbogenfahnen überall zu sehen, in den Schaufenstern wie den Logos grosser Unternehmen. Doch seit Donald Trump nach seiner Wiederwahl beschlossen hat, die Gleichstellungs-und Diversitätsprogramme in den USA zu streichen, ist die Diversity-Maske gefallen. Viele Unternehmen, auch in der Schweiz, haben aufgehört, so zu tun, als ob sie sich für die Gleichstellungspolitk interessieren. Die Regenbogenfahnen sind seltener geworden. Die Unterstützung der LGBTIQ+-Rechte war also nie eine Überzeugung, sondern vor allem Marketing, das so lange anhielt, wie es rentabel war.

Für LGBTIQ+-Personen in der Schweiz war die Realität ohnehin nie “regenbogenhaft”. Es gibt einen Gesetzesartikel, der Hassreden unter Strafe stellt, jedoch lange Zeit nur Rassendiskriminierung meinte. Im Jahr 2020 wurde er erweitert, um auch Homophobie abzudecken. Dazu war jedoch eine Volksabstimmung notwendig, da die EDU und ein Teil der SVP ein Referendum gegen diese Ausweitung lanciert hatten.[1] 

Geschlechtsidentität wurde bewusst aus dem Gesetz ausgeklammert. Eine trans- oder nicht-binäre Person, die Opfer von Hassreden wird, hat in der Schweiz somit keinen strafrechtlichen Schutz. [2] Im Jahr 2024 verzeichneten Pink Cross und TGNS landesweit 309 LGBTIQ+-feindliche Hassverbrechen. Das sind fünfmal mehr als im Jahr 2020. Fast die Hälfte davon richtete sich gegen Transpersonen.[3] Im selben Jahr nahmen rassistische Vorfälle um fast 40 % zu. Queere Menschen mit Migrationshintergrund sind gleichzeitig beiden Formen von Gewalt ausgesetzt.[4]

Die nationalistischen und konservativen Parteien blockieren diese Rechte seit Jahren, sprechen aber plötzlich vom «Schutz der Homosexuellen», wenn sie dadurch Muslim*innen und Migrant*innen angreifen können. Bereits  während der Anti-Minarett-Kampagne 2009 stellte die SVP den Islam als Bedrohung für die Rechte von Frauen und Homosexuellen dar. Zehn Jahre später stimmte ihre Fraktion gegen die Ausweitung des strafrechtlichen Schutzes auf eben diese homosexuellen Menschen. [6]

Das ist Pinkwashing: Queere Identitäten werden instrumentalisiert, um rassistische Politik zu legitimieren. 

Israel wendet dieselbe Strategie auf internationaler Ebene an: Ein Staat, der sich als Paradies für Homosexuelle präsentiert, während seine Bomben auf die gesamte Bevölkerung von Gaza fallen, einschliesslich palästinensischer Queers. Ehemalige Mitglieder der israelischen Geheimdienste haben dieses System selbst erläutert. Der siedlerkoloniale Staat überwacht die Kommunikation queerer Palästinenser*innen, insbesondere auf Dating-Apps, um sie zu identifizieren und unter Androhung öffentlicher Denunziation zur Zusammenarbeit zu zwingen. [7] Währenddessen bleibt die gleichgeschlechtliche Ehe in Israel selbst verboten. Ein Regime, das nicht einmal seiner eigenen queeren Bevölkerung volle Rechte gewährt und queere Palästinenser*innen auf perfide Weise als militärisches Asset missbraucht, schwingt mitten im Völkermord die Regenbogenfahne als Propagandawaffe.

Sowohl in Israel als auch in der Schweiz dienen queere Menschen als Alibi für Politiker*innen, die sie verachten.

Queere Leben sind keine Propagandainstrumente. Im Pride-Monat dürfen wir nicht vergessen, dass die Pride-Bewegung mit einer Revolte gegen Polizeigewalt, Rassismus und Transfeindlichkeit begann. Kein Pride ohne Antirassismus, kein Pride unter Genozid.

Autor:in 2Rs

Quellenverzeichnis:

[1] Chancellerie fédérale suisse, Votation populaire du 9 février 2020 : Modification du code pénal (discrimination et incitation à la haine en raison de l’orientation sexuelle), acceptée à 63,1 %. www.admin.ch

[2] Transgender Network Switzerland (TGNS), prises de position sur l’exclusion de l’identité de genre de l’art. 261bis CP, 2018–2019. www.tgns.ch

[3] Pink Cross, LOS, TGNS, Hate Crime Bericht 2025 (données 2024). www.pinkcross.ch

[4] Réseau de centres de conseil pour les victimes du racisme / Commission fédérale contre le racisme, Rapport sur les incidents racistes recensés en 2024, avril 2025. www.network-racism.ch

[5] Analyses de la campagne de votation « contre la construction de minarets », 29 novembre 2009.

[6] Bulletin officiel de l’Assemblée fédérale, votes sur l’extension de l’art. 261bis CP, 2018–2019. www.parlament.ch

[7] Drop Site News, enquête sur le chantage exercé sur des Palestiniens queers via des applications de rencontre, août 2024 ; VICE News, 2023.